Chronik

50 Jahre ”Freunde der Musik“ Sonthofen e.V. von Dr. med. Karl Gogl

Schon 1926 hatte mein Vater als Chorregent an der Pfarrkirche St. Michael seinen Dienst angetreten und innerhalb weniger Jahre über den kirchenmusikalischen Rahmen hinaus das musikalische Leben in Sonthofen geprägt.

1950 Gründung der Gesellschaft ”Freunde der Musik“, durch Otto Gogl, seine Mutter Clementine Gogl und durch seinen Vater. Die Konzerte der Gesellschaft sollten nicht als Konkurrenz, sondern als ergänzendes kulturelles Angebot und vor allem unabhängig von den unterschiedlichen, damals noch stärker konfessionsgebundenen musikalischen Aktivitäten am Ort, alle Musikfreunde des Oberallgäus erreichen.

Erstes Konzert, 21. Mai 1950 im Namen der Gesellschaft ”Freunde der Musik“ in Sonthofen in der Pfarrkirche St. Michael, anlässlich des 200sten Todestages von Johann Sebastian Bach. Solistin: Magda Rusy, Pianistin. Dieses Konzert markiert einerseits den Anfang einer beispielhaften Veranstaltungsreihe, die auf hohem Niveau ganz der Pflege der klassischen Musik verpflichtet sein sollte. Andererseits krönte dieses Konzert eine bereits fast zweieinhalb Jahrzehnte dauernde intensive Musikpflege meines Vaters, Otto Gogl, am Ort.

Die Oratorien Joseph Haydns, dessen ”Schöpfung“ in der Zeit bis 1953 allein sechsmal aufgeführt worden ist – die siebte Aufführung fand 1963 zur Stadterhebung statt – Oratorien und Psalmen von Felix Mendelssohn Bartholdy, das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart, die ”Chorphantasie“ von Ludwig van Beethoven, das ”Stabat mater“ von Giovanni B. Pergolesi, der ”Zufriedengestellte Äolus“ von Johann Seb. Bach, die ”Altrhapsodie“ und das ”Schicksalslied“ von Johannes Brahms, die ”Flucht nach Ägypten“ von Max Bruch, zahlreiche sinfonische Werke bis zur 5. Sinfonie von L.v. Beethoven sowie Instrumentalkonzerte der Wiener Klassiker bis zu den Rokoko-Variationen von P. Tschaikowsky wurden aufgeführt.

Mein Vater wollte mit den Konzerten der Gesellschaft Ansporn und Vorbild für die musikalischen Aktivitäten am Ort geben und allen Interessierten durch mustergültige, professionelle Interpretationen die Welt der Musik erschließen. Die Räumlichkeiten außerhalb der Kirchen sind / waren am besten für Kammermusik geeignet. Dennoch veranstaltete mein Vater im ersten Jahrzehnt der Gesellschaft im Kasinosaal oder in der Pfarrkirche noch regelmäßig Chor- und Orchesterkonzerte. Solistennamen, die in dieser Zeit immer wieder auftauchen, waren am Klavier Magda Rusy, Rosi Schmid, Hans Altmann, die Cellisten Franz Faßbender und Elephtherios Papastavro sowie Susanne Lautenbacher und Otto Schärnack als Geiger. Bereits nach fünfzehn Jahren schmückten internationale Namen die Jahresprogramme: Elly Ney, Ludwig Hoelscher, Tibor de Machula, Lola Bobesco, Jakob und Bronislav Gimpel, Riccardo Odnopossof, Tibor Varga, Jaime Laredo, Stefan Askenase, Andre Navarra. Aus der Reihe der Gesangssolisten seien nur Maria Stader, Martina Arroyo, Ernst Haefliger erwähnt.

1960: Als zum 10jährigen Jubiläum die Münchener Philharmoniker unter Fritz Rieger engagiert wurden, hatte die Gesellschaft bereits in über 50 Konzerten ihren Anspruch auf Kontinuität und höchstes Niveau unter Beweis gestellt.

Bis wir 1973 mit den Konzerten vom akustisch hervorragenden Vortragssaal I der GOB-Kaserne in das Soldatenheim jetzt Haus Oberallgäu, umziehen mussten, stellten meine Eltern ihren Flügel für die Konzerte zur Verfügung. Etwa 50-mal wurde das Instrument im Lauf der Jahrzehnte aus unserem Wohnzimmer abtransportiert und auf die Bühne in der ,,Burg” gebracht. Der Flügel litt darunter sehr, und es war zu befürchten, dass einer der namhaften Pianisten wie Jakob Gimpel, Adam Harasiewicz, Nelson Freire, André Tschaikowsky, Leonard Hokanson oder Ingrid Haebler eines Tages nicht mehr darauf spielen würden. Meine Eltern sammelten daher bei den Künstlern Unterschriften und erreichten 1976 schließlich, dass die Stadt Sonthofen für diese Konzerte einen großen Bechstein-Flügel EN 280 im Wert von 47.700.- DM bewilligte. Als Roberto Szidon endlich den ersten Soloabend 1977 auf dem neuen Instrument gab, war mein Vater wenige Monate davor im Alter von 74 Jahren gestorben.

Es war selbstverständlich, dass wir die Konzertreihe in seinem Sinn fortführten. Hervorragende Kammermusikensembles und Solisten, wie Mischa Maisky, Heinrich Schiff oder Rudolf Buchbinder, Michajl Pletnjew, waren zu Gast. Zum 35jährigen Jubiläum kamen die zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker zu einem Konzert aus Salzburg

Am 02. April 1987 wurde die Gesellschaft als Verein eingetragen. So führten meine Mutter als 1. Vorsitzende und ich als zweiter die Gesellschaft zum 40jährigen Jubiläum, zu dem wir seit 1960 erstmals wieder eine repräsentative Jubiläumsschrift herausgaben. Dieses Heft wurde Vorbild für meine Jahreshefte, mit denen ich seit 1994 die Jahresprogramme begleite. Bereits seit 1987 verwaltet übrigens Herr Otto Wechs schon die Finanzen unseres Vereins mit Umsicht sowie absoluter Zuverlässigkeit und die Sparkasse Sonthofen ist seither einer der treuesten Sponsoren.

1990: Zum 40jährigen Jubiläum veranstalteten mein Bruder mit seiner Familie und ich mit zwei meiner Kinder ein Benefizkonzert für die Gesellschaft. Dies war aber auch ein ganz persönlicher Dank an die Eltern für die große Bereicherung, die wir durch die Musik und die Konzerte der Gesellschaft erfahren haben.

1991:Als meine Mutter viel zu früh im Sommer 91 mit 68 Jahren starb, habe ich die Verantwortung und Verpflichtung für die Gesellschaft ohne Zögern übernommen, obwohl ich nicht in Sonthofen wohne.

2000: Eine völlig neue Perspektive ergab sich für die Gesellschaft ,,Freunde der Musik” Sonthofen e. V., als wir im Oktober 2000 anlässlich unseres 50jährigen Jubiläums von Herrn Dr. mult. Werner Rieder eingeladen wurden, das Festkonzert im Allgäu Stern Hotel zu veranstalten. Inzwischen fanden alle Konzerte, bei denen wir keinen Flügel benötigten, dort statt.

2001: Seit 2001 stehen mir in Herrn Dr. phil. Hans-Joachim Unger ein sehr rühriger 2. Vorsitzender und sehr motivierte Vorstände und Beisitzer zur Seite, um die Gesellschaft in die Zukunft zu führen. Sie wird zwar überschattet von der allgemeinen, nachlassenden Wirtschaftskraft, unter der auch die Stadt Sonthofen leidet. Den Bürgermeister und den Stadträten gebührt herzlicher Dank für die jahrzehntelange finanzielle Unterstützung. Trotz der finanziell engen Möglichkeiten wollen wir einen Schritt weiter gehen und jedes Jahr ein Konzert für Kinder veranstalten, um sie früh für die Musik zu begeistern und zu gewinnen.

2004: Die kontinuierliche und maßvolle Einbeziehung der Moderne, die sinnvolle Gegenüberstellung oder Ergänzung zum Gewohnten haben in unserem Publikum die Aufnahmefähigkeit gefördert und die Hörbereitschaft für Neues gesteigert. Ein besonderes Ereignis des Jahres 2004 war die Aufführung des Klavierquintetts von Wilhelm Furtwängler anlässlich seines 50ten Todestags. Der Bayerische Rundfunk kam erstmals wegen dieses Werks zur Gesellschaft ,,Freunde der Musik” nach Sonthofen und zeichnete dieses Konzert auf. Als glanzvoller Abschluss des Jahres erwarten uns dann die ,,Gran Partitta” von W. A. Mozart für 13 Bläser und Kontrabass sowie eine wunderschöne Rarität zum Dvorák-Jahr 2004. Viele hörten seine Serenade in d-Moll für 11 Bläser, Cello und Kontrabass zum ersten Mai und waren bezaubert.

2005: Einer weiteren Initiative von Herrn Dr. Unger, zusammen mit Herrn Gunther Le Maire aus Immenstadt, ist es zu verdanken, dass wir ab 2005 unsere Konzertreihe um das Sinfoniekonzert erweitern könnten, das in Immenstadt seit Jahrzehnten Tradition hat. Erwähnenswert sind auch die Vergünstigungen, die unsere Mitglieder bei unseren Partnerorganisationen erhalten.